Die beste Sozialpolitik ist eine gute Wirtschaftspolitik. ( Ludwig Erhard )

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19.06.2012 | Klaus-Peter Mahlo

Niedriger Leitzins, horrende Dispozinsen

MIT kritisiert überzogene Zinsen für Dispokredite

Die Zinsen für eine Kontoüberziehung in Deutschland gehören mit über zehn Prozent zu den höchsten in Europa. Nur in den Krisenstaaten Griechenland, Irland und Portugal, sind Dispokredite noch teurer. Dazu erklärt Jürgen Presser, stv. Bundesvorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT):

 „Banken und Sparkassen können sich gegenwärtig besonders günstig Geld besorgen. Seit Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 hat die Europäische Zentralbank den Leitzins von vier auf nur noch ein Prozent gesenkt. Trotzdem verlangen die deutschen Banken überdurchschnittlich hohe Dispozinsen, wenn Kunden ihr Girokonto überziehen. Zuletzt forderten Kreditinstitute durchschnittlich 10,24 Prozent für Dispokredite. Der Durchschnitt im Euro-Raum betrug hingegen nur  8,84 Prozent.

Laut Bundesfinanzministeriums müssen Kunden in den Niederlanden 6,69, in Finnland 7,14 und in Italien 7,57 Prozent zahlen, wenn sie ins Minus gerutscht sind. In Österreich kosten Dispokredite sogar gerade einmal halb so viel wie in der Bundesrepublik. Nur in den Krisenländern Griechenland, Irland und Portugal, mit Zinssätzen von 10,96, 12,85 und 13,24 Prozent, zahlen die Menschen noch mehr als in Deutschland. 

Es ist skandalös, dass sich Banken und Sparkassen so billig wie nie zuvor finanzieren können und gleichzeitig extrem hohe Dispozinsen von ihren Kunden verlangen. Mit der Diskrepanz zwischen billigem EZB-Geld und horrenden Kontoüberziehungssätzen bürden die Kreditinstitute den Verbrauchern die Kosten der Finanzkrise auf. Dieses „Geschäftsmodell Abzocke“ muss schnellstmöglich gestoppt werden, denn es belastet Verbraucher und Unternehmer gleichermaßen. 

Jeder sechste Deutsche hat sein Bankkonto überzogen, darunter auch viele Unternehmer. Besonders kleine und mittlere Unternehmen geraten schnell ins Minus, wenn Rechnungen von Kunden nicht rechtzeitig bezahlt werden. Die MIT und K. Peter Mahlo begrüßen daher ausdrücklich die von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) angeordnete Untersuchung der Vorgänge und ruft die Ministerin in diesem Zusammenhang auf, eine gesetzliche Deckelung der Dispozinsen zu prüfen.“  

aktualisiert von Dennis Schulze, 24.06.2012, 16:34 Uhr